Text

Zurück in Deutschland

Seit Samstagnachmittag bin ich wieder zurück in Deutschland. Das halbe Jahr Schweden verging wahnsinnig schnell und zurück bleiben viele neue Freunde, Eindrücke und Erlebnisse.

Dies ist somit meine letzter Eintrag. Vielen Dank an alle, die meinen kleinen Blog immer kräftig mitverfolgt haben! Für alle Anderen gibt es nachfolgend noch meinen ERASMUS Abschlussbericht als Zusammenfassung zum Lesen:

ERASMUS-Praktikumsbericht

Die Vorbereitungen zu meinem Auslandspraktikum begannen ca. 10 Monate vor dem geplanten Praktikumsbeginn. Die ersten Monate sicherlich nicht sehr intensiv, aber zunächst musste ich eine Auswahl an potentiellen Ländern festlegen in denen ich mich nach Praktikumsunternehmen um-sehen will. Die Präferenz lag sehr schnell auf den skandinavischen Ländern Island, Schweden, Norwegen und Finnland, gefolgt von den rein englischsprachigen Ländern (Großbritannien, Irland und Schottland), sowie der Schweiz. In dieser Reihenfolge arbeitete ich zunächst auch den Firmenpool von absolvierten Praktika im LEONADO-Büro in Dresden durch. Leider war die Ausbeute für meinen Studiengang Medieninformatik sehr ernüchternd. Wenn ich mich richtig erinnere, verlies ich den Raum mit zwei Adressen, wovon nur eine Firma meinem ungefähren Betätigungsfeld entsprach. Die anschließende Suche konzentrierte sich also auf das Internet, wo ich mir zunächst eine Liste mit potentiellen Firmen und deren Ansprechpartnern zusammenstellte. Inzwischen waren 4 Monate vergangen und es war an der Zeit Bewerbungen rauszuschicken. Hierbei habe ich ausschließlich zur Verfügung stehende Onlineformulare oder die Bewerbung per E-Mail genutzt. Meine Bewerbungsunterlagen waren stets in Englisch verfasst und beinhalteten neben einem ausführlichen An- bzw. Motivationsschreiben, meinen Lebenslauf, einer Notenübersicht auch eine Skillmatrix, welche meine Kenntnisse im Umgang mit Programmiersprachen und allen relevanten Programmen veranschaulichte.

Die schnellste und auch gleichzeitig vielversprechendste Antwort erhielt ich innerhalb von weniger als 24 Stunden von der Firma Touchtech aus Göteborg in Schweden. Daraufhin vereinbarte ich mit dem Managing Director Deniz Chaban ein Skypeinterview indem vorrangig meine Erwartungen und mein aktueller Kenntnisstand, aber auch die zuvor per E-Mail angeschnittenen Praktikumsvergütung besprochen wurden. Gleich am Ende des Interviews erhielt ich zu meiner Freude die Zusage zum Praktikum mit der Aufforderung die notwendigen Formulare zuzusenden. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich noch gut 4 Monate bis zum Praktikumsbeginn.

Als besonders schwierig stellte sich die Wohnungssuche heraus. Im Nachhinein betrachtet kann ich jedem nur empfehlen sich die Zeit für die Suche von Deutschland aus zu sparen. Ich habe weit über 50 E-Mails auf Anzeigen in verschieden Internetplattformen geschrieben und wenn überhaupt nur Absagen oder größtenteils unseriöse (!) Angebote mit fiktiven Wohnungen und einer angeblich total sicheren Bezahlung per Vorkasse bekommen. Erschwerend kam die mir vorher nicht bekannte Situation des Wohnungsmarktes in Göteborg hinzu. Ein Großteil der Wohnungen ist über staatliche Wohnungsgesellschaften verwaltet und somit mit einer Wartezeit von mehreren Jahren verbunden. Weiterhin fehlen laut Internetangaben ca. 10.000 zusätzliche Wohnungen allein um den Bedarf zu decken. Diese Vorbedingungen treiben zum einen die Mietpreise in die Höhe und zum anderen ist es nahezu unmöglich einen Mietvertrag als Hauptmieter zu bekommen. So war also das Ziel einen Mietvertrag aus zweiter Hand oder ein Zimmer zur Untermiete zu einem akzeptablen Preis zu bekommen.

Aus diesem Grund habe ich dazu entschieden eine Woche vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn in Göteborg anzureisen und für die ersten Tage ein Zimmer im Hostel (Slottsskogens vandrarhem) zu beziehen. Die Suche Vorort ging zunächst auch schleppend voran. Problematisch war, dass ich zu Beginn der Woche noch keine schwedische Handynummer hatte und somit weiterhin auf die E-Mail-Kommunikation angewiesen war. Glücklicherweise erreichte mich dann eine vielversprechende Antwort auf eine meiner zahlreichen Anfragen. Nach einer kurzen Besichtigung zwei Tage später stand für mich auch schnell fest, dass ich diese Ein-Zimmer-Wohnung im Dachgeschoss eines Mehrmieterhauses trotz ihrer offensichtlichen Nachteile (geteilte Dusche im Keller, direkt neben der Autobahn und den Zuggleisen, zum Besichtigungszeitpunkt Heizungsprobleme und kein funktionierendes Internet) nehmen werde.

Zur Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes in Schweden ist hilfreich zu wissen, dass alle personenbezogenen Vorgänge (auch der Erwerb einer Prepaid-Karte für das Mobiltelefon) über eine eindeutige Personennummer registriert werden. Da diese Personennummer nur ab einem garantierten (und durch Verträge belegbaren) Aufenthalt von mind. 1 bis 2 Jahren vergeben wird, war es mir nur möglich eine temporäre Personennummer zu beantragen. Die temporäre Personennummer dient aber lediglich der Registrierung und unterscheidet sich auch schon in der Form von der regulären Personennummer, so dass sie in der Regel nicht akzeptiert wird. Es war mir auch anfangs nicht möglich, neben der Handykarte, welche am Ende über die Firma registriert wurde, ein schwedisches Bankkonto zu eröffnen. Was hingegen nach dem Eintreffen der temporären Personennummer (nach ca. drei Wochen) erstaunlicherweise problemlos möglich war, war die Anmeldung bei der schwedischen Sozialversicherung und Krankenversicherung (Försäkringskassan). Laut Homepage kann die Registrierung von vier bis zu sechs Monaten (!) dauern. In meinem Fall hatte ich nach weiteren drei Wochen den positiven Bescheid im Briefkasten. Nun war es plötzlich auch möglich ein Bankkonto zu eröffnen. Die ersten eineinhalb Monate waren also durchaus von Bürokratie geprägt und auch einiger Ungewissheit (Bankkonto und Krankenversicherung) geprägt. Dennoch habe ich durchweg sehr positive Erfahrungen mit den Mitarbeitern in den verschiedenen Behörden gemacht. Die Kommunikation war stets auf Englisch möglich sowie immer hilfsbereit und freundlich.

Mein Praktikumsbetrieb ist ein vor drei Jahren gegründetes schwedisches Startup-Unternehmen im Bereich der Softwareentwicklung für interaktive Anwendungen mittels Multitouch und Gestensteuerung. Zu den Kunden zählen unteranderem Volvo, Carlsberg, GS1 und ABSOLUT VODKA. Der Schwerpunkt liegt hierbei in der Entwicklung von Applikationen für den Microsoft Surface sowie mit der Microsoft Kinect. Touchtech ist Microsoft Surface Premium Partner. Zum Praktikumszeitraum beschäftigte Touchtech neun Mitarbeiter in Vollzeit sowie zwei Masterstudenten, welche Ihre Masterarbeit in der zweiten Hälfte meines Praktikums beendeten. Aufgrund der Internationalität des Teams (Schweden, Frankreich und Deutschland) ist die vorwiegende Teamsprache Englisch.

Nachdem ich an meinem ersten Arbeitstag mit einem Teamfrühstück begrüßt wurde, bestand meine Aufgabe in der ersten Woche hauptsächlich darin mich in die Entwicklung von Multitouch-Anwendungen einzulesen und bisher entwickelte Applikationen auszuprobieren. Da ich bereits in einem Universitätsprojekt eine Microsoft Surface Anwendung erstellt hatte, beschränkten sich die neuen Erkenntnisse für mich hauptsächlich auf die Neuerungen die die Version 2 des Microsoft Surfaces mit sich brachten. Gleichzeitig nahm ich bereits am ersten Arbeitstag an einem internen Meeting teil um ein Kundenprojekt eines neuen, weltweit tätigen Kunden zu besprechen. Wie sich im Laufe der Besprechung herausstellte sollte ich dieses Projekt (unter Anleitung) übernehmen. Ich war zunächst etwas unsicher, ob es ein geeignetes Projekt für den Einstieg ist, da zum einen der Umfang, sowohl als auch die Komplexität dieser sehr generischen Anwendung nicht zu leugnen war. Rückblickend war es genau die richtige Entscheidung und das Projekt, dessen Auftragsvolumen im Verlauf sogar noch erhöht wurde, beschäftigte mich etwas über drei Monate. Ich arbeitete dabei selbständig und stand in direktem Kontakt mit dem Kunden und einer Britischen Agentur, welche mit der Entwicklung der grafischen Inhalte (Bilder und Videoanimationen) vom Kunden beauftragt wurde. Wie bereits beschrieben beanspruchte das Projekt einen großen Anteil möglicher softwaretechnischer Verfahren (Entwurf und Anbindung einer Datenbank, generischer Aufbau der Anwendung, Einsatz physischer Tags, E-Mail Support, Bing Maps, Videoplayer,…). Die Zusammenarbeit mit dem Team war dabei nicht nur in der Anfangsphase vorbildlich. Ich konnte jederzeit jeden Mitarbeiter mit Fragen oder Problemen ansprechen und war von Beginn an vollständig in das Team integriert.

In den sechs Monaten meines Praktikums habe ich insgesamt drei Kundenprojekte eigenständig umgesetzt und war zeitweise in der Vorbereitung und Entwicklung eines weiteren Projektes involviert. Die Entwicklungsprozesse forderten neben dem alltäglichen Umgang mit den gängigen Bildbearbeitungs- und Officeprogrammen (Adobe Creative Suite und Microsoft Office 2010) den Einsatz von den Entwicklungsplattformen Visual Studio 2010, Expression Blend 4 und SQL Server 2008. Auf Seiten der Programmierumgebungen kam C# im .Net-Framework 4, Windows Presentation Foundation (WPF), ergänzt durch das Microsoft Surface 2 SDK, Bing Maps SDK und die firmeninterne Touchtech Plattform zum Einsatz. Mein Beschäftigungsfeld deckte damit sowohl die Aufgaben eines Interface Designers als auch die eines Software Developers ab. Als direkter Ansprechpartner für die Kunden (oder deren beauftrage Agentur) hatte ich dabei Eigenverantwortung für die termingerechte Fertigstellung und Auslieferung des Produktes. Die Projektplanung und Aufwandsabschätzung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung. Tägliche Stand-Up-Meetings, wöchentliche Projektpräsentationen und regelmäßige Design- und Code-Reviews ermöglichten eine kontinuierliche Diskussion und Qualitätssicherung.

Mein Arbeitsalltag beinhaltete acht Arbeitsstunden sowie eine zusätzliche Stunde, welche auf mehrere Pausen aufgeteilt werden konnte. In der Regel arbeitete ich von 9 bis 18Uhr. Abweichungen zur Erledigung von Behördengängen oder aber auch privat motivierten Ereignissen waren bei Einhaltung der 40-Stunden-Woche problemlos möglich. Bedingt durch meine Praktikumsdauer von sechs Monaten hatte ich einen anteiligen Urlaubsanspruch von 12 Arbeitstagen, welchen ich über Weihnachten und Neujahr in Anspruch nahm. Weitere Urlaubstage konnten durch Überstunden ausgeglichen werden.

Rückwirkend betrachtet kann ich ein ausschließlich positives Fazit über meinen Praktikumsaufenthalt bei Touchtech ziehen. Meine Erwartungen an das Praktikum wurden sowohl von der technischen und fachlichen Seite, als auch vom sozialen Umfeld im Praktikumsunternehmen mehr als erfüllt. 

Photo
Hej då Göteborg! Hej då Sverige!

Hej då Göteborg! Hej då Sverige!

Photo
Soo.. Das soll/muss jetzt nur noch ins Auto passen?!

Soo.. Das soll/muss jetzt nur noch ins Auto passen?!

Photo
Langsam macht Autofahren in Schweden wirklich kein Spaß mehr. Ich parke an dieser Stelle - seit der Sache mit den zerstochenen Reifen - jetzt schon seit mindestens 6 Wochen regelmäßig, aber seit heute Nachmittag soll es plötzlich nicht erlaubt sein?? Ich weiß grade nicht ob ich glücklich darüber sein soll, dass es geringfügig billiger ist als ein neuer Reifen oder mich einfach nur maßlos drüber aufzuregen..

Langsam macht Autofahren in Schweden wirklich kein Spaß mehr. Ich parke an dieser Stelle - seit der Sache mit den zerstochenen Reifen - jetzt schon seit mindestens 6 Wochen regelmäßig, aber seit heute Nachmittag soll es plötzlich nicht erlaubt sein?? Ich weiß grade nicht ob ich glücklich darüber sein soll, dass es geringfügig billiger ist als ein neuer Reifen oder mich einfach nur maßlos drüber aufzuregen..

Link

… und hier noch eine Auswahl an Fotos vom Urlaub:

http://www.florian-schneider.com/schweden/index.php?pid=norway